Zum Inhalt springen
29.07.2026

Spat bei Pferden: Symptome, Ursachen und was deinem Pferd wirklich hilft

Die Diagnose Spat klingt für viele Pferdebesitzer zunächst bedrohlich, denn sie steht für eine Gelenkerkrankung, die nicht heilbar ist. Doch so einschneidend die Diagnose auch klingt, sie bedeutet in den allermeisten Fällen nicht das Ende eines aktiven Pferdelebens. Mit einer frühzeitigen Erkennung, der richtigen Behandlung und einem angepassten Bewegungsmanagement können viele Pferde mit Spat über Jahre schmerzfrei und leistungsfähig bleiben. In diesem Beitrag erfährst du, was Spat bei Pferden genau ist, an welchen Symptomen du ihn erkennst, welche Ursachen dahinter stecken und warum Bewegung und Physiotherapie eine so zentrale Rolle spielen.
Von: Maud Raspe
Beine eines galoppierenden Pferdes mit Gamaschen wirbeln Sand auf einem Reitplatz auf.

Was ist Spat bei Pferden?

Spat ist eine besondere Form der Arthrose, die ausschließlich das Sprunggelenk des Pferdes betrifft. Genauer gesagt handelt es sich um eine degenerative, also durch Verschleiß entstehende, Erkrankung der kleinen, kaum beweglichen Gelenke im unteren Bereich des Sprunggelenks. Bei diesem Prozess wird der Gelenkknorpel nach und nach angegriffen und geschädigt, was zu Entzündungen und Schmerzen führt.
Der Körper des Pferdes reagiert auf diese Schädigung, indem er versucht, den Bereich zu reparieren und zu stabilisieren. Dabei lagert er zusätzliches Knochenmaterial an, was zu den typischen knöchernen Auftreibungen an der Innenseite des Sprunggelenks führt, die als Spatbeulen bekannt sind. So paradox es klingt: Dieser Verknöcherungsprozess ist letztlich das Ziel der natürlichen Heilung. Wenn die betroffenen kleinen Gelenke vollständig versteift sind, reiben keine schmerzenden Gelenkflächen mehr aufeinander, und viele Pferde können sich danach wieder weitgehend schmerzfrei bewegen. Das erklärt, warum Spat zwar nicht heilbar, aber in vielen Fällen sehr gut in den Griff zu bekommen ist.
Es ist wichtig, Spat von der allgemeinen Arthrose zu unterscheiden. Arthrose kann grundsätzlich jedes Gelenk im Pferdekörper betreffen, während Spat sich ausschließlich auf das Sprunggelenk bezieht. Die Symptome und der grundsätzliche Verlauf ähneln sich, doch die Lokalisation und damit auch die Behandlungsschwerpunkte sind spezifisch.

Die Ursachen: Warum entsteht Spat bei Pferden?

Die genauen Ursachen von Spat sind nicht immer eindeutig zu bestimmen, und häufig kommen mehrere Faktoren zusammen. Bei älteren Pferden, meist ab einem Alter von etwa acht Jahren, ist Spat oft eine Folge des natürlichen Verschleißes über die Jahre. Die dauerhafte Belastung der Sprunggelenke führt mit der Zeit zu entzündlichen Veränderungen und dem Abbau des Knorpels.
Bei jüngeren Pferden hingegen ist Spat häufig die Folge eines konkreten Ereignisses, etwa eines Sturzes, einer Überlastung oder eines starken Verdrehens des Gelenks. Auch die Beinstellung spielt eine wichtige Rolle. Fehlstellungen wie eine kuhhessige oder fassbeinige Stellung führen zu einer ungleichmäßigen Belastung des Sprunggelenks und begünstigen die Entstehung von Spat. Diese anatomische Veranlagung kann vererbt werden, auch wenn nicht die Erkrankung selbst genetisch weitergegeben wird.
Weitere begünstigende Faktoren sind eine zu frühe oder zu harte Belastung junger Pferde, deren Gelenke noch nicht vollständig ausgereift sind, ein unpassender oder mangelhafter Hufbeschlag, der die Statik des Beins verändert, sowie einseitiges und abrupt wechselndes Training ohne ausreichende Aufwärmphasen. All diese Punkte zeigen, wie eng die Entstehung von Spat mit dem täglichen Umgang, dem Training und der Haltung des Pferdes verknüpft ist.

Spat beim Pferd erkennen: Diese Symptome solltest du kennen

Die Tücke von Spat liegt darin, dass die Symptome sich meist schleichend entwickeln und in der Frühphase leicht als bloße Steifheit abgetan werden. Genau diese frühen Anzeichen sind jedoch entscheidend, denn je früher Spat erkannt und behandelt wird, desto besser lässt sich der Verlauf beeinflussen.
Das charakteristischste und oft erste Anzeichen ist die sogenannte Anlaufsteifheit oder Einlauflahmheit. Das Pferd wirkt zu Beginn der Bewegung, besonders nach einer längeren Ruhephase, steif und lahm im Bereich der Hinterhand. Nach etwa zehn bis zwanzig Minuten Bewegung läuft sich das Pferd ein, und die Lahmheit bessert sich deutlich oder verschwindet vorübergehend ganz. Dieses Muster, bei dem sich die Beschwerden durch Bewegung bessern und nach Ruhephasen wieder verstärken, ist ein sehr typisches Merkmal von Spat.
Ein weiteres Zeichen ist eine verminderte Schubkraft aus der Hinterhand. Das Pferd tritt weniger aktiv unter, die Tritte werden kürzer, und manche Pferde schleifen den Huf des betroffenen Beins über den Boden, was sich an einer ungleichmäßigen Abnutzung des Hufeisens oder der Hufkante zeigen kann. In fortgeschritteneren Stadien werden die knöchernen Veränderungen an der Innenseite des Sprunggelenks sicht und tastbar, und im akuten Schub kann das betroffene Gelenk angeschwollen und warm sein.
Auch Verhaltensauffälligkeiten können auf Spat hindeuten. Ein Pferd, das plötzlich Widerwillen bei bestimmten Lektionen zeigt, ungern rückwärts geht, Schwierigkeiten beim Hufeauskratzen der Hinterbeine hat oder beim Anreiten unwillig wirkt, könnte damit auf Schmerzen im Sprunggelenk reagieren. Wenn du eines oder mehrere dieser Anzeichen bemerkst, solltest du in jedem Fall einen Tierarzt hinzuziehen.

Die Diagnose beim Tierarzt

Die Diagnose von Spat beginnt in der Regel mit einer klinischen Untersuchung und einer Beurteilung des Gangbildes. Ein zentraler Bestandteil ist die sogenannte Spatprobe oder Beugeprobe. Dabei wird das Sprunggelenk für ein bis zwei Minuten maximal gebeugt, und anschließend wird das Pferd im Trab vorgeführt. Verstärkt sich die Lahmheit direkt nach der Beugung deutlich, ist das ein starker Hinweis auf Spat. Zur endgültigen Bestätigung und um das Ausmaß der Veränderungen einzuschätzen, folgen Röntgenaufnahmen des Sprunggelenks. Die Diagnose und die Festlegung der medizinischen Behandlung gehören immer in die Hände des Tierarztes.

Wie wird Spat beim Pferd behandelt?

Die Behandlung von Spat verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig: Schmerzen lindern, Entzündungen reduzieren und den natürlichen Verknöcherungsprozess der betroffenen Gelenke unterstützen, damit das Pferd langfristig wieder schmerzfrei werden kann. In der akuten Phase, wenn das Gelenk entzündet und schmerzhaft ist, verschreibt der Tierarzt entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente. Diese sind wichtig, um dem Pferd durch die schmerzhafte Phase zu helfen und die Entzündung zu kontrollieren.
Ein entscheidender Baustein der Behandlung ist der orthopädische Hufbeschlag. Durch eine angepasste Hufbearbeitung und einen speziellen Beschlag kann die Abrollbewegung des Hufs erleichtert und die Belastung des Sprunggelenks optimiert werden. Das reduziert die Schmerzen und verbessert das Gangbild oft schon deutlich. Die Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und einem erfahrenen Hufschmied ist an dieser Stelle besonders wertvoll.
In schweren Fällen, in denen die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend wirken, kann auch eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden. Ergänzend setzen viele Besitzer auf natürliche Gelenknährstoffe und Futterzusätze, die entzündungshemmende Eigenschaften haben können, wie Teufelskralle, Ingwer oder Grünlippmuschel. Diese ersetzen keine tierärztliche Behandlung, können aber als begleitende Maßnahme sinnvoll sein. Bei Turnierpferden ist zu beachten, dass manche dieser Substanzen unter Wettkampfbedingungen als verbotene Substanzen gelten.

Warum Bewegung und Physiotherapie bei Spat so wichtig sind

Einer der wichtigsten Grundsätze im Umgang mit einem Spatpferd lautet: Bewegung ist Medizin. Anders als bei vielen anderen Erkrankungen ist Boxenruhe bei Spat in der Regel kontraproduktiv. Gerade weil sich die Symptome nach Ruhephasen verstärken und durch Bewegung bessern, ist ein gleichmäßiges, tägliches Bewegungsprogramm entscheidend. Regelmäßige, moderate Bewegung ist dabei deutlich besser als intensive Trainingseinheiten mit langen Pausen dazwischen. Ein Pferd, das täglich moderat bewegt wird, kommt mit Spat meist erheblich besser zurecht als eines, das nur am Wochenende intensiv gearbeitet und unter der Woche in der Box gehalten wird.
Hier kommt die Physiotherapie ins Spiel, die eine wertvolle begleitende Rolle spielt. Ein Pferd mit Spat verändert durch die Schmerzen und die Schonhaltung sein gesamtes Bewegungsmuster. Es belastet das betroffene Bein weniger, verlagert das Gewicht und entwickelt dadurch Verspannungen und Fehlbelastungen an ganz anderen Körperstellen, vor allem im Rücken, in der Hinterhand und in der Muskulatur der gesunden Gliedmaßen. Diese sekundären Probleme können mit der Zeit ebenso belastend werden wie der Spat selbst.
Eine regelmäßige physiotherapeutische Behandlung hilft, genau diese Verspannungen und Blockaden zu lösen, die durch die veränderte Bewegung entstehen. Sie erhält die Beweglichkeit, unterstützt den Muskelerhalt und sorgt dafür, dass das Pferd trotz seiner Erkrankung in einer möglichst ausgewogenen Körperhaltung bleibt. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass im akuten Entzündungsschub mit warmem, geschwollenem Gelenk keine Physiotherapie am betroffenen Gelenk vorgenommen werden sollte. Der richtige Zeitpunkt und die passenden Maßnahmen werden in Absprache mit dem Tierarzt festgelegt.
Als mobile Pferdephysiotherapeutin und Pferdeosteopathin im Raum Günzburg und Ulm begleite ich viele Pferde mit Spat und ihre Besitzer durch den Alltag mit dieser Erkrankung. Ich schaue mir an, welche Kompensationsmuster dein Pferd entwickelt hat, löse Verspannungen gezielt und zeige dir Übungen, mit denen du dein Pferd zwischen den Behandlungen aktiv unterstützen kannst. Denn ein Spatpferd braucht keine Schonung im Sinne von Stillstand, sondern kluge, angepasste Bewegung.

Mit der richtigen Begleitung ein aktives Pferdeleben

Die Diagnose Spat ist kein Grund zur Verzweiflung. Mit moderner Behandlung werden viele betroffene Pferde wieder lahmfrei oder annähernd lahmfrei, und sie können über Jahre ein aktives, erfülltes Leben führen. Der Schlüssel liegt in der frühen Erkennung, der konsequenten medizinischen Behandlung durch den Tierarzt, einem angepassten Hufbeschlag, kluger täglicher Bewegung und einer begleitenden physiotherapeutischen Betreuung, die den ganzen Körper des Pferdes im Blick behält.
Wenn dein Pferd Anzeichen von Steifheit in der Hinterhand zeigt, nach Ruhephasen lahmt oder du bereits die Diagnose Spat erhalten hast und nicht weißt, wie du dein Pferd im Alltag am besten unterstützen kannst, melde dich gerne bei mir. Ich komme direkt zu dir in den Stall und schaue gemeinsam mit dir, was dein Pferd braucht.

Über den Autor:

Maud Raspé
Ich bin Maud -ausgesprochen als Mood- und arbeite seit vielen Jahren mit Pferden. In meiner mobilen physiotherapeutischen Praxis geht es mir nicht nur darum, Blockaden zu lösen, sondern die Ursachen von Beschwerden ganzheitlich zu verstehen. Jedes Pferd wird individuell betrachtet und behandelt – mit Physiotherapie und Osteopathie sowie ergänzenden Methoden wie Dry Needling, Stresspunkt-Massage und BEMER-Anwendungen zur Unterstützung von Regeneration und Durchblutung.

Häufig gestellte Fragen zu Spat bei Pferden

Kann ein Pferd mit Spat noch geritten werden?
In vielen Fällen ja. Gerade weil sich die Symptome von Spat durch Bewegung bessern, ist angepasstes Reiten oft nicht nur möglich, sondern sogar förderlich. Wichtig ist eine ausreichend lange Aufwärmphase, in der sich das Pferd einlaufen kann, sowie ein gleichmäßiges, moderates Training statt intensiver Belastungsspitzen. Ob und in welchem Umfang dein Pferd geritten werden kann, hängt vom Stadium der Erkrankung ab und sollte immer in Absprache mit deinem Tierarzt entschieden werden.
Ist Spat beim Pferd heilbar?
Nein, Spat ist nicht heilbar, weil die knöchernen Veränderungen im Gelenk nicht rückgängig gemacht werden können. Das ist aber weniger dramatisch, als es klingt. Das eigentliche Ziel der Behandlung ist, den natürlichen Verknöcherungsprozess der betroffenen kleinen Gelenke zu unterstützen. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, versteifen die Gelenke, und viele Pferde können sich danach wieder weitgehend schmerzfrei bewegen. Spat ist also nicht heilbar, aber in den meisten Fällen sehr gut behandelbar.
Wie lange dauert es, bis ein Spatpferd wieder schmerzfrei ist?
Das lässt sich nicht pauschal sagen und variiert von Pferd zu Pferd erheblich. Der Verknöcherungsprozess, an dessen Ende viele Pferde wieder schmerzfrei sind, kann Monate bis Jahre dauern. In dieser Zeit geht es darum, die Schmerzen zu kontrollieren, die Bewegung zu erhalten und dem Pferd die Phase so angenehm wie möglich zu gestalten. Geduld ist hier ein wichtiger Begleiter.
Hilft Bewegung wirklich bei Spat oder schadet sie?
Bei Spat ist regelmäßige, moderate Bewegung in aller Regel förderlich und sogar ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Boxenruhe verschlechtert die typische Anlaufsteifheit eher, während gleichmäßige tägliche Bewegung das Gelenk beweglich hält und das Wohlbefinden verbessert. Eine Ausnahme ist der akute Entzündungsschub mit warmem, geschwollenem Gelenk. In dieser Phase gelten die Anweisungen des Tierarztes. Grundsätzlich gilt aber: kontrollierte Bewegung ist besser als Stillstand.
Was kann ich als Besitzer zwischen den Behandlungen für mein Spatpferd tun?
Sehr viel sogar. Für ein gleichmäßiges, tägliches Bewegungsprogramm zu sorgen, ausreichend lange Aufwärmphasen einzuplanen, auf einen passenden Hufbeschlag zu achten und dein Pferd nicht nach langen Standzeiten sofort intensiv zu belasten, sind entscheidende Bausteine. Zusätzlich kann ich dir im Rahmen der physiotherapeutischen Begleitung gezielte Übungen zeigen, mit denen du Verspannungen vorbeugst und die Beweglichkeit deines Pferdes unterstützt. So wirst du zu einem aktiven Teil der Behandlung deines Pferdes.

Dein Pferd braucht Unterstützung?

© 2025 Maud Raspe. Alle Rechte vorbehalten. Webdesign von LM Consulting